Inhaltsverzeichnis
10.2.1 Bedingte Auswahl – IF-Kontroll-Struktur
In diesem Kapitel werden die folgenden Varianten der IF-Kontroll-Struktur beschrieben:
- Einseitige Auswahl: IF…THEN…ENDIF
- Zweiseitige Auswahl: IF…THEN…ELSE…ENDIF
- Mehrfach-Auswahl: IF…THEN…[ ELSE IF … .. ELSE IF ] … ENDIF
10.2.1.1 Syntax
Die Syntax für die IF-Kontroll-Struktur im zweiten Teil steht für die Fälle, in denen jeweils nur eine (bedingte) Auswahl in einer Zeile formuliert wird:
IF Expression [ { AND IF | OR IF } Expression ... ] [ THEN ]
...
[ ELSE IF Expression [ { AND IF | OR IF } Expression ... ] [ THEN ]
... ]
[ ELSE
... ]
ENDIF
IF Expression [ { AND IF | OR IF } Expression ... ] THEN ...
IF Expression [ { AND IF | OR IF } Expression ... ] THEN ... ELSE …
10.2.1.2 Hinweise zur Syntax
- Für alle Operanden, die nicht vom Typ Boolean sind, benötigen Sie ein Relationszeichen, um einen Wahrheitswert von Ausdrücken (→ 10.2.1.6 Exkurs ) zu erzeugen. Sie können diese Relationszeichen einsetzen: =, <>, <, >, ⇐ und >= und nutzen die logischen Operatoren AND, OR und XOR sowie Klammern, um komplexe Ausdrücke zu notieren.
- Mit Klammern können Sie diese Rangfolge außer Kraft setzen, damit bestimmte Teilausdrücke vor anderen Teilausdrücken ausgewertet werden. In Klammern gesetzte Operationen haben grundsätzlich Vorrang. Innerhalb der Klammern gilt jedoch wieder die normale Rangfolge der Operatoren.
- Ein Ausdruck kann mit NOT negiert werden.
- Wenn kein Ausdruck wahr ist, dann wird die Else-Anweisung – wenn vorhanden – bedingungslos ausgeführt.
- Die IF-Kontroll-Struktur wird beendet, wenn nach dem ersten wahren Ausdruck die zugehörigen Anweisungen ausgeführt wurden oder nach der Ausführung der Anweisungen im bedingungslosen 'Else'-Zweig oder nach dem 'ENDIF'-Schlüsselwort.
- Die 'AND IF'- und 'OR IF'-Schlüsselworte dürfen nicht zusammen in einer Zeile stehen.
- Sie können IF-Kontroll-Strukturen auch verschachteln.
- Die Notation von Then nach Expression ist optional, wenn die nachfolgende Anweisung in einer weiteren Zeile steht.
- Die Schreibweisen 'Endif' und 'End If' sind gleichwertig.
- Seit Gambas 3.4 können Sie die IF-Kontroll-Struktur in einer Zeile notieren – vorausgesetzt, dass die nachfolgende Anweisung dem Schlüsselwort THEN folgt.
Die folgenden Beispiele zeigen vorwiegend Gambas-Quelltext-Ausschnitte und werden kurz kommentiert. Den Beispielen wird zum Teil Pseudo-Code vorangestellt, der als gut lesbare Interpretation der Syntax der IF-Kontroll-Struktur (→ 10.2.1.1 Syntax) gedacht ist.
10.2.1.3 Beispiele für einseitige Auswahl
Bei der einseitigen Auswahl wird die Anweisung oder der Anweisungsblock nur ausgeführt, wenn der Ausdruck wahr ist. Eine Alternative existiert nicht.
WENN Ausdruck wahr ist, DANN
diese Anweisung(en) ausführen
ENDE der Auswahl
IF Len(txbFarbwert.Text) = 0 THEN txbFarbwert.MaxLength = 6 Return ENDIF
WENN Ausdruck wahr ist, DANN diese Anweisung(en) ausführen IF Key.Code = Key.F1 THEN btnHelp_Click()
WENN Ausdruck NICHT wahr ist, DANN diese Anweisung(en) ausführen IF NOT txbFarbwert.Text Then Message.Warning("Geben Sie einen Farbwert ein!")
10.2.1.4 Beispiele für zweiseitige Auswahl
Wenn Variante 1 über den RadioButton ausgewählt wurde, dann wird nach dieser Variante gerechnet, sonst nach der 2. Variante:
WENN Ausdruck wahr ist, DANN
diese Anweisung(en) ausführen (und Kontroll-Struktur verlassen)
SONST
jene Anweisung(en) ausführen
ENDE der Auswahl
IF optV1.Value = True THEN Calculate_V1(iAZahl, iEZahl) ELSE Calculate_V2(iAZahl, iEZahl) ENDIF
Die alternative Schreibweise der IF-Kontroll-Struktur in einer Zeile löst in der zweiten Zeile einen Syntaxfehler aus, weil in diesem Fall am Zeilen-Ende kein ENDIF stehen darf:
(1) IF optV1.Value = True THEN Calc_V1(iAZahl, iEZahl) ELSE Calc_V2(iAZahl, iEZahl) (2) IF optV1.Value = True THEN Calc_V1(iAZahl, iEZahl) ELSE Calc_V2(iAZahl, iEZahl) ENDIF ' FEHLER!
10.2.1.5 Beispiele für Mehrfach-Auswahl
Hier eine IF-Kontroll-Struktur für drei (→ k=3) unvereinbare Fälle bei denen Sie sicher sind, dass genau einer der drei Fälle zutrifft:
WENN Ausdruck_1 wahr ist, DANN
diese Anweisung(en)_1 ausführen (und Kontroll-Struktur verlassen)
SONST WENN Ausdruck_2 wahr ist, DANN
diese Anweisung(en)_2 ausführen (und Kontroll-Struktur verlassen)
...
SONST WENN Ausdruck_k wahr ist, DANN
jene Anweisung(en)_k ausführen
ENDE der Auswahl
Public Function Calculate(fP As Float, fQ As Float) As Variant[] Dim fDiskriminante As Float = 0 Dim fX1, fX2 As Float Dim fXC1, fXC2 As Complex fDiskriminante = (fP * fP) / 4 - fQ IF Sgn(fDiskriminante) = 1 THEN ' D>0 fX1 = - fP / 2 - Sqr(fDiskriminante) fX2 = - fP / 2 + Sqr(fDiskriminante) Return [fX1, fX2] ELSE IF Sgn(fDiskriminante) = 0 Then ' D=0 fX1 = - fP / 2 fX2 = fX1 Return [fX1, fX2] ELSE IF Sgn(fDiskriminante) = -1 Then ' D<0 fXC1 = Complex(- fP / 2, - Sqr(- fDiskriminante)) fXC2 = fXC1.Conj() Return [fX1, fX2] ENDIF End ' Calculate(fP As Float, fQ As Float) As Variant[]
Beispiel
WENN Ausdruck_1 wahr ist, DANN
diese Anweisung(en)_1 ausführen (und Kontroll-Struktur verlassen)
SONST WENN Ausdruck_2 wahr ist, DANN
diese Anweisung(en)_2 ausführen (und Kontroll-Struktur verlassen)
...
SONST
bedingungslos jene Anweisung(en) ausführen!
ENDE der Auswahl
Public Sub GetStatus(sStatus As String) IF sStatus Like "[+Pp]*" THEN Message.Info(IIf(sStatus Begins "+", "Status: positiv", "Status: " & sStatus)) ELSE IF sStatus Like "[-Nn]*" THEN If sStatus Begins "-" Then sStatus = "negativ" Message.Info("Status: " & sStatus) ELSE Message.Error("Der Status konnte NICHT ermittelt werden!") ENDIF End ' GetStatus(sStatus As String)
Die bedingungslose Verwendung von ELSE wird oft für Fehler-Meldungen verwendet.
Beispiel
Mehrere über 'AND IF' oder 'OR IF' verknüpfte Ausdrücke werden in den nächsten Beispielen jeweils in einer Prozedur eingesetzt:
WENN Ausdruck_1 wahr ist UND WENN auch Ausdruck_2 wahr ist, DANN
diese Anweisung(en) ausführen
ENDE der Auswahl
Public Sub txbFarbwert_KeyPress() IF (Key.Control AND Key.Code = Key.F1) THEN btnHelp_Click() IF (Key.Code = Key.Return OR Key.Code = Key.Enter) AND IF (txbFarbwert.Text) THEN Message.Info("Die eingegebenen Zeichen sind:\n\n" & Upper(txbFarbwert.Text)) IF Left(txbFarbwert.Text, 1) = "&" THEN txbFarbwert.MaxLength = 7 ELSE txbFarbwert.MaxLength = 6 ENDIF ' Left(txbFarbwert.Text, 1) = "&" ? ENDIF ' Key.Code = Key.Return OR Key.Code = Key.Enter AND ...? IF (Key.Code = Key.BackSpace) AND IF (Len(txbFarbwert.Text) > 0) THEN txbFarbwert.Text = Left(txbFarbwert.Text, Len(txbFarbwert.Text) - 1) ENDIF ' Key.Code = Key.BackSpace AND Len(txbFarbwert.Text) > 0 ? ' Zulässige Zeichen für einen Farbwert in hexadezimaler Darstellung IF Key.Text NOT Like "[&0-9a-fA-F]" THEN Stop Event ENDIF ' Key.Text NOT Like "[&0-9a-fA-F]" End ' txbFarbwert_KeyPress()
Beispiel
WENN Ausdruck_1 wahr ist ODER WENN Ausdruck_2 wahr ist, DANN
diese Anweisung(en) ausführen
ENDE der Auswahl
Private Sub ResultSave() Dim sMessage1, sMessage2 As String Dialog.Path = sScriptFilePath Dialog.Title = ("Speichern Sie die Ergebnis-Matrix!") Dialog.Filter = ["*.fit", ("GnuPlot-Skript-Datei"), "*", ("Alle Dateien")] If Dialog.SaveFile() Then Message.Warning("Das Speichern wurde abgebrochen!") ' Abbrechen-Button wurde gedrückt! Return Else If (File.Ext(Dialog.Path)) OR IF (File.Ext(Dialog.Path) <> "fit") Then Dialog.Path = File.SetExt(Dialog.Path, "fit") Endif File.Save(Dialog.Path, txaErrorAndFit.Text) Finally btnSaveScriptFile.Enabled = False Catch sMessage1 = ("Die Ergebnis-Datei ") sMessage2 = (" kann NICHT gespeichert werden!") Message.Error("FEHLER!" & Chr(10) & sMessage1 & File.Name(Dialog.Path) & sMessage2) Endif ' Dialog.SaveFile() = True ? End ' ResultSave()
Hinweise:
- OR und 'OR IF' als auch AND und 'AND IF' sind jeweils verschiedene Operatoren! OR und AND sind bitweise Operatoren, während 'OR IF' und 'AND IF' logische Operatoren sind.
- Sie können AND und OR beliebig in einem komplexen Ausdruck einsetzen, aber nur mit einer Variante der 'OR IF'- und 'AND IF'-Operatoren auf der gleichen Zeile!
- Wenn Sie in einem komplexen Ausdruck mehrere Ausdrücke mit dem 'AND IF'-Operator verknüpfen, dann werden diese von links nach rechts ausgewertet bis der erste Ausdruck FALSCH ist. Das bedeutet, dass der komplexe Ausdruck FALSCH ist. Nur wenn alle verknüpften Ausdrücke WAHR sind ist der komplexe Ausdruck WAHR.
- Wenn Sie in einem komplexen Ausdruck mehrere Ausdrücke mit dem 'OR IF'-Operator verknüpfen, dann werden diese von links nach rechts ausgewertet bis der erste Ausdruck WAHR ist. Das bedeutet, dass der komplexe Ausdruck WAHR ist. Nur wenn alle verknüpften Ausdrücke FALSCH sind ist auch der komplexe Ausdruck FALSCH.
10.2.1.6 Exkurs
Die folgenden Beispiele – aber auch einige der o.a. Beispiele – sind nur dann zu verstehen, wenn man den Inhalt des Begriffs Expression in Gambas genau kennt. In der Dokumentation zu 'Ausdruck' steht u.a.:
An expression is a value (a constant, a predefined constant, a variable or the result of a function), which may optionally be preceded by certain operators depending on the type of value, followed by an operator and another value, and so on.
Übersetzt und mit Beispielen versehen liest sich das so:
Ein Ausdruck ist ein Wert: Eine Konstante (*1), eine vordefinierte Konstante (*2), eine Variable (*3) oder das Ergebnis eines Funktionsaufrufs (*4), dem optional bestimmte Operatoren nach- oder vorangestellt werden (*5) – je nach Typ des Wertes – und so weiter (*6).
Beispiele für die markierten Fälle (*1) bis (*6):
(*1) → 5 oder „Test“
(*2) → gb.Integer
(*3) → iIndex
(*4) → Pi(2)
(*5) → NOT bIsActive
(*6) → NOT bIsActive OR IF (iLevel < iMinLevel)
In Bezug auf Ausdruck im Zusammenhang mit der IF-Kontroll-Struktur gilt Folgendes:
Die IF-Kontroll-Struktur prüft den Wahrheitswert eines Ausdrucks. Schreibt man zum Beispiel als Ausdruck eine Integer-Variable, ist das nach der o.a. Definition immer noch ein Ausdruck und der Wahrheitswert eines Integers ist definiert als der Wahrheitswert der Relation iInteger <> 0. Analog gilt für einen String: sString <> Null, wobei auch die leere Zeichenkette als Null gilt. Bei Objekten ist ebenfalls Null der charakteristische Wert für die Wahrheitswertbestimmung. In allen Fällen bedeutet 0 → False und alles andere ist True.
Beispiele
Public Sub btnTest_Click()
Dim iInteger As Integer
Print iInteger
IF iInteger THEN
Print "JA"
ELSE
Print "NEIN"
ENDIF
'--------------------------------------------------------
IF txbPingNumber.Text THEN
Print "TEXTBOX ENTHÄLT TEXT."
ELSE
Print "TEXTBOX ENTHÄLT KEINEN TEXT."
ENDIF
'--------------------------------------------------------
IF txbPingNumber THEN
Print "DAS OBJEKT 'txbPingCount' EXISTIERT"
ELSE
Print "DAS OBJEKT 'txbPingCount' EXISTIERT NICHT"
ENDIF
'--------------------------------------------------------
IF $hPing THEN
Print "DER PING-PROZESS LEBT..."
ELSE
Print "VOM PING-PROZESS IST NICHTS ZU SEHEN..."
ENDIF
'--------------------------------------------------------
TRY File.Save("/usr/local/backup.bak", txaOutput.Text)
IF ERROR THEN
Print "Fehler: "; Error.Text; " - "; Error.Where
Return
ENDIF
End ' btnTest_Click()
ERROR allein ist ein Schlüsselwort der Sprache Gambas. Es wird True zurückgegeben, wenn die letzte TRY-Anweisung einen Fehler auslöste. Minisini rät dazu, ERROR nur in diesem Kontext zu verwenden.
Diese Ausgaben wurden in der Konsole der Gambas-IDE angezeigt:
0 NEIN DIE TEXTBOX ENTHÄLT TEXT. DAS OBJEKT 'txbPingCount' EXISTIERT VOM PING-PROZESS IST NICHTS ZU SEHEN... FEHLER: Access forbidden - FMain.btnTest_Click.135
- Die Variable wird mit 0 initialisiert und als Wert wird 0 ausgegeben.
- Das „NEIN“ ist somit folgerichtig, weil mit iInteger <> 0 verglichen wird!
- In der GUI für das Konsolen-Programm wurde 4 als Vorgabewert für die Anzahl der Pings in die TextBox mit dem Namen txbPingNumber eingetragen. Dem trägt die Ausgabe Rechnung.
- Ein TextBox-Objekt mit dem Namen txbPingNumber existiert zur Laufzeit und wird so angezeigt.
- Ein Ping-Prozess mit '$hPing = Exec aCommand For Read As „myPingProcess“' wurde nicht gestartet – er existiert nicht. Die Ausgabe ist korrekt.
- Das Speichern der angegebenen Datei im vorgegebenen Pfad wurde kontrolliert angeschoben, schlug aber wegen fehlender Schreibrechte im Ordner fehl. Der Fehler wurde abgefangen und mit einer Fehlermeldung quittiert.
